Zum Inhalt springen →

Can Tho, Tag 3

essen, trinken, action und KI,
nach den ersten zwei doch relativ dichten tagen, wollte ich heute alles etwas langsamer angehen lassen. allein um 8:00 uhr aufzustehen, fällt nicht leicht, mein körper gewöhnt sich nur langsam, denn eigentlich ist er dann noch auf 2:00 uhr deutsche zeit geeicht.
heute habe ich mich dem geschäftigen treiben ein bischen entzogen. es ist schon interessant, dass es so viel bewegung in der stadt gibt, fast keine fussgänger, die meisten menschen auf motorrädern. was machen die nur alle? natürlich kenne ich das auch aus anderen ländern, aber auch da ist es nicht wirklich erklärlich. auf der anderen seite ist auch viel entspanntes nichts-tun zu sehen. auch der schuster muss mal ein nickerchen machen …
.


zum frühstück gab es wieder nudelsuppe, hier eine vorher-nachher-zusammenstellung:
.

bislang habe ich immer an edelstahl-tischen gegessen, für uns ungewöhnlich. leider geht das suppe-essen auch nicht ohne plempern … auch bei den vietnamesen nicht, natürlich mit stäbchen und löffel und dem typischen grünen tee, den man immer gereicht bekommt, zum frühstück mit eis, beim kaffee heiss. gestern konnte ich sehen, wie sich mancher den tee mit ihrem kaffee-auf-eis gemischt hat, einfach dazugeschüttet – geht auch. beim essen gibt es viele saussen, von (vermutlich) soja- und fischsauce zu chilli-öl, limette und anderem, für jeden jecken ist etwas dabei. netterweise wird mir oft empfohlen, was gut schmeckt, was ich dann auch so empfinde. gegen das kleckern helfende papiertücher werden oft unter den tisch geworfen.
.
ein rätselraten zur speisekarte meines lieblingsgerichts bun bo hue füge ich bei,
ich habe für meine suppe heute morgen 70.000 VD gezahlt.
in diesen läden sitzt man übrigens in gleissendem neonlicht, romantik weit entfernt. die vietnamesen essen aber auch besonders schnell, gehen direkt nach fertig-essen, was selten aufgegessen meint. diese schnelligkeit ist beeindruckend, ebenso das licht, jedes studio-fotorgaf:innen-herz schlägt hier höher, alles gleichmässig ausgeleuchtet!
.

dabei sind zwei dinge lustig: bei allen preise könnte man einfach 3 x 0 streichen. ich war mal in einem land, in dem es diese währungsreform gab, man hatte also im prinzip zwei in der tasche, eine alte mit 3 x 0 mehr und die neue, um diese drei 0en gekürzt, ich glaube, es war auf kuba. diese änderung wäre hier auch denkbar …
ansonsten zur schrift: ich habe gelernt, dass das alphabet 30 lautzeichen hat, es fehlen J, W und Z. dafür gibt es manche buchstaben mit unterschiedlichen haken über, unter oder in den zeichen, ausserdem zusätzlich 6 lautkombinationen, also zum beispiel steigender tonfall, fallender, gepresster oder vokal doppelt gesprochen … spätestens hier gebe ich den löfel ab und denke, dass ich das nie lerne. schon wenige male sollte ich jemandem meinen namen in sein handy schreiben, mit fehlendem J bin ich zu ania übergegangen …
nach der nudelsuppe wieder kaffee, für nur 25.000, da er besonders gross war, mit eis etwa ein 3/4 liter, alles in plastik, klar.
.

vor „meinem“ cafe, hier links zu sehen, haben sich mittlerweile zwei dinge geklärt: auf dem motorrad vor dem laden zu halten, um sich den kaffee in plastikbecher und plastiktüte, die man an einem haken am motorrad aufhängen kann, rausbringen zu lassen, ist normal, aber ebenso auch, wenn man in das cafe geht, den roller auf dem bürgersteig abzustellen. der westliche begriff von bürgersteig ist vollkommen überbewertet …
neben dem vielen müll der überall, also auch auf den bürgersteigen, liegt, wird dieser an anderer stelle, nämlich im touristisch ausgerichteten cafe, mindestens ein mal am tag mit lauge geschruppt und abgewaschen!
.
noch zwei kleinigkeiten: neben der info über facebook, dass wir in europa jetzt auch unsere airpods mit live-übersetzung (chip.de) nutzen können, musste ich an der google-übersetzung zweifeln. was macht die KI da? in der kommunikation mit einem mann im gut gefüllten cafe gestern, schrieb die KI plötzlich von prostitution. ich war sicher, dass herr google sich da irgendwie verlesen hatte. hier und da frage ich menschen nach dem weg, so auch heute, der junge mann auf einem roller stammelte etwas vor sich hin, verstand ich natürlich nicht, bis er mir ein eindeutiges foto zeigte, sex … ich bin irritiert weitergegangen und konnte mich danach nur fragen, wer von uns beiden hier hätte geld verdienen sollen. gibt es hier ein grossen interesse, dass ich gleich zwei tage aufeinander dazu angesprochen werde? in beiden fällen hatte ich keine angst, die situationen hatte nichts bedrohliches, die männer sahen „normal“ aus, es war einfach nur irritierend.
.
und nun zum eigentlichen: die suche nach schwimmenden verkaufsständen ist schwierig. zwei märkte etwas ausserhalb soll es nicht mehr geben. jenen grossmarkt, den ich morgen besuchen werde, befürche ich als zu wuselig. ausserdem soll es für meine gewünschte fahrt zum nächsten ort den mekong rauf keine boote geben. was ich nicht glauben kann, finden kann ich die lösung aber leider auch nicht. deshalb bin ich heute insgesamt etwas angestrengt, da sich für nichts eine lösung hat lesen lassen.
dies heisst wohl recherche, die eben auch anstrengend sein kann.
.
70.000 vietnamesiche dongs für suppe + 25.000 vd für kaffee sind übrigens ca. 3,08 €.
.

Ein Kommentar

  1. Marianne Reuter Marianne Reuter

    Liebe Anja, gebannt folge ich deinen Erzählungen. Du lässt uns alle teilhaben an deinen Abenteuern, ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzungen. Aber das Wichtigste zuerst: ich wünsche dir ein spannendes und erfolgreiches Jahr 2026 und viel Glück, den richtigen Riecher und nette Begegnungen bei deinem Projekt. Herzlichst, Marianne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert